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Vernerův mlýn
o.p.s.

Email:
vernermlyn@seznam.cz

Brloh 26, 440 01 Louny

Postanschrift:
Smetanova 352, 440 01 Louny
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18.3.2013

Ostern in der Mühle: 30.3.2013, 13:00 delitko.png

31.3.2012

Schauen Sie sich die Unterrichtsmaterialien OSTERN IN DER BÖHMISCHEN MÜHLE. delitko.png

1.2.2011

Schauen Sie sich die Unterrichtsmaterialien Wege des Roggens und Von einer Mühle zu der anderen. delitko.png

6.11.2010

Interview mit Ing. Stanislava Šefčíková für den ČR Sever.
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OSTERN IN DER BÖHMISCHEN MÜHLE

Im Leben und in Wandlungen des traditionellen „böhmischen Jahres“ war das Oster stets ein Gipfelereignis mit einem bunten Programm von Bräuchen, Gewohnheiten sowie Aberglauben. Daher ist natürlich der Zauber der Osterfeiertage alljährlich auch unter die Dächer der böhmischen Mühlen eingetreten. Denn die Mühle - das war ein der bedeutendsten Zentren des Lebensrhythmus in den Dörfern sowie Städten.

Die Mühle war /neben der Kirche, dem Gasthaus u. a./ ein natürliches Arbeits-, Gesellschafts- sowie Kulturzentrum der Gemeinde. Sie war ebenfalls ein universaler Raum für viele Handwerke, die den Lebensstil und das Leben des Mahlwerkes sowie der Gemeinde bereicherten, die Formen und Schönheit der Umgebung der damaligen Zeit beeinflussten.

Wie könnte daher das Ostern an einer alten böhmischen Mühle nur vorbei laufen!

P a l m s o n n t a g

Der Palmsonntag eröffnete die Karwoche. Auf den Tisch in der Stube und im Mühlhaus bereitete die Müllerin Palmen oder große Sträuße in Steinzeugkrügen, sog. "kocanky". Diese Sträuße wurden aus Hafer, Gerste, Korn, grünen Ästen und Palmkätzchen, ersten Frühlingsblumen und Kräutern gebunden und mit bunten Bändern geschmückt.

Dann zog sich der Müller „sonntäglich“ an und zusammen mit der Familie begab er sich in die Kirche, um hier die Palmkätzchen - den ersten Frühlingsgruß einzuweihen. Nach der Rückkehr in die Mühle segnete er das Mühlaus mit Palmkätzchen feierlich ein, die er davor mit Weihwasser benetzte, „damit es nicht stäubt“. Dann legte er die Palmkätzchen kreuzweise auf den Tisch hin. Es begann die Karwoche - die Woche der Stille und Meditationen.

B l a u e r    M o n t a g  -  D i c k e r  /gelber/  D i e n s t a g

Am Montag wurden als Zeichen für den Gipfel des Fastens alle Bilder, Statuen und Kreuze mit langen Ballen von blauen oder lilafarbenen Stoffen verdeckt. Nicht nur in der Mühle, sondern auch in den Hütten hörte sämtliche Arbeit auf.

Am Dienstag kochte die Bäuerin für die Familie sowie Müllerburschen - das war die letzte Möglichkeit, sich satt zu essen. Es traten drei strengste Fasttage ein.

A s c h e r m i t t w o c h /schwarzer Mittwoch/

Vom Morgengrauen herrschte in der ganzen Mühle Stille. Frauen sowie Mädchen zogen dunkle Kleider an, die Männer verzichteten auf Trinken und Rauchen. Die Hauptspeise waren Linse und Erbse, die Müllerin schlug Butter und gab die ausgelassene Butter dann in die Kirche „als Osterkerzen“ zum Leuchten. Die Mädchen begannen bereits mit dem Bemalen der Eier.

Die Männer fegten alle Schornsteine gründlich aus, reinigten die Öfen sowie Herde.

Am Nachmittag machten sich die Jungs auf den Weg ins Dorf, um „Judas zu jagen". Dies ist ein der ältesten böhmischen Osterspiele für Kinder mit Liedchen und Sprüchlein.

Die Jagd nach Judas benötigte jedoch eine Tonkulisse - aber die Musikinstrumente blieben während des Fastens stumm, auch die Glocken bleiben bald stumm. Und so sind eigenartige Osterinstrumente aus Holz entstanden - Rasseln, Ratschen, Klapper, Knarren, Waschrumpel. Zu Ostern, an das wir zurückdenken, stellte der Mühlbauer sogar einen großen ähnlich wie ein Schubkarren aussehenden Klapper mit einem Rad für die Kinder in der Mühle zusammen. Mit diesem Klapper konnte man tatsächlich wie mit einem kleinen Schubkarren fahren und sein Knarren konnte man über die beiden Bäche weit bis nach Smolnice hören!

G r ü n d o n n e r s t a g

In der Mühle stand man an diesem Tag sehr früh auf. Das Haus musste sorgfältig gekehrt werden und das Kehricht musste man ans Ende des Hohlwegs bringen, auf eine Kreuzung der Wege, damit Flöhe, Spinnen und anderes Ungeziefer nicht im Hause bleiben. Nach dem Sonnenuntergang weihte der Müller aus einer noch nicht benutzten Tasse erneut das ganze Haus, die Mühle und die nächste Umgebung mit Weihwasser ein, um die Wohnstätte vor unreinen Kräften zu schützen.

In der Mühle aß man an diesem Tag kein Fleisch, sondern nur grüne Nahrung - verschiedene Kohlarten, Spinat, Brennnessel mit Kraut, grüne Erbsen oder Salat aus Gänseblümchen, die die Liebe herbeirufen. Und Judaskuchen, mit Honig bestrichen, zeremonielles Ostergebäck in Form einer zusammengewickelten Schnur, gebacken aus dem Hefeteig. Kohle von den verbrannten Judaskuchen brachte der Müller in den Obstgarten und auf die Felder, damit die Würmer keinen Schaden anrichten.

Am geheimnisvollen Donnerstagabend blieb das Klingen der Glocken in den Kirchen und Kapellen aus – die Glocken „sind nach Rom geflogen“. Jetzt wurde den Kindern überlassen, dass sie mit den Knarren, Ratschen, Klappern, Rasseln, Waschrumpeln oder sogar mit Schubkarren den Tagesanbruch, Mittag sowie Festabend bis zum Ostersamstag melden.

Die schönste Sitte dieses Tages - mit niemandem zu streiten, damit Zank, Streit, Zwist, böses Blut das ganze Jahr hindurch von Ihnen fernbleiben.

K a r f r e i t a g

Auch am Freitag wurde die Mühle vor dem Sonnenaufgang wach und wer konnte, wusch sich im Bach vor der Mühle, um sich somit vor Krankheiten zu schützen. Nach dem Bad musste eine unbestrichene Brotschnitte reichen - der Karfreitag war ein Tag des strengsten Fastens. Ein Zug der Kinder mit Ratschen begann stets bei der Mühle, d. h. "der Klappermühle".

Aber der Karfreitag - das war insbesondere die Zeit der Geheimnisse, Magie und Zauber. Der alte Mühlbauer erzählte, wie sich das Wasser aus den erzgebirgischen Quellen um Mitternacht am Karfreitag in Wein umwandelt. Wie die Erde und die Felsen ihre Schätze enthüllen. Wie die magische Kraft der Erde die Schätze mit Lichtchen und blühender Farnkraut kenntlich macht.

Wie sogar auch der schläfrige Wassermann von Brloh auf das Festland kommt und auf dem Pferd im Vinařický sowie Smolnický Bach reitet, denn er möchte in den Fluss Oharka geraten!

Es war auch derjenige Tag, an den berühmte tschechische Passionsspiele bzgl. Geschichte der letzten Tage Christi und seiner berühmten Auferstehung gebunden sind. Diese wurden sowohl von Menschen aus dem Dorf oder mit Marionetten aus Lindenholz gespielt. Ein solches kleines Theater finden Sie ebenfalls auf dem hiesigen Dachboden. Vielleicht wird das Theater noch spielen – der Karfreitag kann doch zaubern!

O s t e r s a m s t a g

Der Ostersamstag - das war der festlichste Tag der Osterwoche. Über das Feld hallt ein lautes Glockengeläut - die Glocken kamen von Rom zurück. Vor der Kirche wurden Feuer und Osterkerzen - angezündet. Die Bäuerin, die davor sämtliches Feuer zu Hause löschte, gab ins Feuer auch ihr kleines Scheit und machte damit ein neues Feuer an.

Dann setzten sie sich alle an den gemeinsamen Tisch zusammen. Der damalige "Müller"-Tisch wurde im Zeichen der Symbole festlich gedeckt. Inmitten stand ein größer Getreidestrauß - Symbol des Müllergewerbes. Um diesen herum standen dann ein hoch mit Zucker bestreuter lammförmiger Kuchen und ein riesiger geflochtener Judaskuchen. Und zwei weiße gemalte Majolikasoßenschüsseln – in einer davon duftende Frühlingssuppe aus Kräutern, in der anderen Zickleinfleischstücke mit Rahmsoße, bestreut mit grünem Schnittlauch. Der Müller teilte feierlich den lammförmigen Kuchen in Stücke auf und in diesem Moment begann in der Mühle das wahre Ostern!

O s t e r s o n t a g

Die Mühle duftete nach Sauberkeit, die Mädchen bereiteten unter Aufsicht der Bäuerin einen reichhaltig gedeckten und geschmückten Tisch vor. Als die Familie zusammenkam, pellte der Müller feierlich die geweihten weich gekochten Eier und teilte sie in so viel Stücke, wie viel Tischgenossen dabei waren. Dann verzehrte jeder sein Stück, um den sicheren Weg nach Hause für den Fall zu finden, sollte er sich irgendwo zu verlaufen oder in Not zu sein.

Die Osterspeisekarte in der Mühle war abwechslungsreich: gebratenes Lämmchen, gefülltes Hammelfleisch, manchmal Täubchen, Osterfüllung, sog. "hlavička", oder sog. „plecovníky“ – überbackene Klobassen im Teig mit Zickelfleisch. Feierliches Osterbrot, sog. "baba", süßes Lämmchen aus Hefe- oder Biskuitteig, Kolatschen, ausgestochenes Backwerk. Zum Trinken gab es Rosenbranntwein oder Punsch, der zu Stücken des mit Zucker bestreuten Osterbrotes verabreicht wurde.

An diesem Tag beschenkte jedes Mädchen ihren Jungen mit einem Bündel als Ostergeschenk - es war ein weißes Tuch, oft sehr schön mit einem Passionsgarn oder Pfaufeder bestickt. In diesem Bündel befanden sich genau ein Schock bunte Eier, Osterbrot und festliches Backwerk. Zu guter Letzt gab sie auch ein "Pärchen" hinzu. Das waren zwei bunte Eier, verbunden mit einer Schleife. Dieses Pärchen versteckte sich der Junge zum Andenken.

O s t e r m o n t a g /rot/

Es kam die Zeit der Osterrute, tschechisch "pomlázka", "šmigrust", "mrskut" genannt. Da gingen die Jungs von Haus zu Haus, um die dortigen Mädchen zu züchtigen und ihnen alles Gute zu wünschen. Dafür erhielten sie eine Entlohnung. Sie flochten die Ruten meistens aus jungen, saftigen, gelbgrünen Ruten, die gerade zu dieser Zeit auf den Weiden um den Mühlenbehälter herum Knospen trieben. Aber auch aus Zweigen von der Birke, Espe und vom Wacholder.

Das meist verbreitete und begehrte Geschenk war das Symbol von Ostern - bemalte Eier, Ostereier, mit natürlichen Farbmitteln bemalt. Rote Eier waren am beliebtesten. Diese wurden mit den Schalen der roten Zwiebel, mit Essig u. ä. gefärbt. Gelbe Eier färbte man mit Ginster, Rinde des Apfelbaumwildlings, Kümmel, Safran, Ingwer, grüne Eier färbte man mit Blättern der Esche, Säuerling, Brennnessel, Rosmarin, blaue Eier färbte man mit Blüten der Kornblume oder Heidelbeeren. Die Mädchen verzierten die gefärbten Eier mit unterschiedlichen Techniken: mit Gänsefeder oder Metallröhrchen wurde das Wachs aufgetragen. Dann wurden die Eier in die Farbe getaucht - so entstanden sog. Elster ("straky"), mit Reißen oder Kratzen entstanden "rejsky", mit Stroh beklebt - entstanden sog. Strohblumen ("slaměnky"), mit Schilfdaube beklebt - entstanden sog. Wassermanneier ("hastrmanky").

Aber die Kinder nutzten die Eier am Ostermontag auch zu verschiedenen Spielen, die tschechisch „na sekání“, „babu na babu – špic na špic“, na „válení“ oder „házení“ hießen. Und mit Ostern kamen der Frühling und die alltägliche fleißige Arbeit definitiv in die Mühle. Diejenige Arbeit, die wir fortführen.